Die Bäckerin braucht Hilfe. Mira hilft gern.
In der Backstube ist es warm, der Ofen ist groß, und es riecht nach Brot.
„Komm“, sagt die Bäckerin. „Nimm die Brote aus dem Korb.“
Mira trägt die Brote. Sie sind warm, und die Kruste ist hart und braun.
Die Bäckerin nimmt ein Brot und dreht es um. Dann klopft sie mit den Fingern unten darauf. Tock, tock.
„Hörst du das?“, fragt sie.
„Was?“, fragt Mira.
„Den Klang. Gutes Brot klingt hohl. Wie eine kleine Trommel. Dann ist es innen fertig.“
Mira klopft auch. Tock, tock. Das Brot klingt hohl.
„Und schlechtes Brot?“, fragt sie.
Die Bäckerin gibt ihr ein anderes Brot. „Klopf.“
Mira klopft. Der Klang ist anders. Dumpf. Nicht hohl.
„Das ist innen noch nass“, sagt die Bäckerin. „Es muss länger in den Ofen.“
Mira klopft noch einmal auf das gute Brot. Und noch einmal auf das schlechte. Hohl. Dumpf. Hohl. Dumpf.
„Man hört es“, sagt sie. „Man hört, ob das Brot gut ist.“
„Ja“, sagt die Bäckerin. „Die Augen können lügen. Ein Brot kann außen schön sein und innen nass. Aber der Klang lügt nicht.“
Mira wird still. Sie denkt nach.
Das Brot kann nicht lügen. Es klingt einfach gut oder nicht gut.
Aber ein Mensch? Ein Mensch kann laut reden und sicher klingen und trotzdem falsch sein. Das Kind im grünen Mantel klang wie Stein, und alle glaubten ihm. Aber das Kind wusste es selbst nicht.
Mira klopft noch einmal auf das Brot.
Beim Brot ist der Klang ehrlich. Bei den Menschen nicht immer.
„Woran denkst du?“, fragt die Bäckerin.
„An Stimmen“, sagt Mira. „Eine laute Stimme klingt oft sicher. Aber das heißt nicht, dass sie wahr ist.“
Die Bäckerin lacht. „Du bist ein seltsames Kind. Aber du hast recht. Klopf lieber auf das Brot. Da weißt du, woran du bist.“
Mira lacht auch.
Sie trägt die guten Brote nach vorn, und die nassen bleiben im Ofen.
Den ganzen Tag hört Mira den Klang in ihrem Kopf. Tock, tock. Hohl und ehrlich.
Vielleicht, denkt sie, sollte man auch bei Menschen mehr klopfen und weniger glauben.