Tovins Tante wohnt nahe am Markt, sie näht und kocht, und sie redet gern.
Tovin geht zu ihr, weil er gewinnen will.
„Tante“, sagt er. „Das Zeichen im Felsen. Der Kreis mit dem Punkt. Das ist nur ein alter Kratzer. Nichts Wichtiges. Stimmt’s?“
Die Tante näht, und der Faden geht durch den Stoff, auf und ab.
„Der Kreis mit dem Punkt“, sagt sie. „In den Hügeln.“
„Ja. Irgendjemand hat ihn gemacht. Vor langer Zeit. Es bedeutet nichts.“
Die Tante näht weiter. „Früher haben die Alten so ein Zeichen gemacht“, sagt sie ruhig. „Nicht nur in den Hügeln. Oben haben sie auch eins gemacht, bei...“
Dann hält sie an.
Mitten im Satz.
Die Nadel bleibt stehen, und der Faden hängt in der Luft.
„Bei wem?“, fragt Tovin. „Wo oben?“
„Ach“, sagt die Tante. „Das ist nicht wichtig.“
„Doch“, sagt Tovin. „Du hast gesagt: Die Alten haben so ein Zeichen gemacht. Welche Alten? Wo oben?“
Die Tante steht auf, geht zum Topf und rührt im Essen.
„Lange her“, sagt sie. „Alte Geschichten. Iss lieber was.“
„Tante.“
„Tovin.“ Jetzt sieht sie ihn an. „Manche Dinge fragt man nicht. Iss.“
Tovin schweigt, aber in seinem Kopf ist es laut.
Er ist zur Tante gekommen, um zu gewinnen. Er wollte hören: „Ja, das ist nur ein Kratzer. Vergiss es.“
Aber sie hat etwas anderes gesagt: Die Alten haben das Zeichen gemacht, mit Absicht, mehr als eins, auch oben.
Und dann hat sie geschwiegen, so wie der Schmied, so wie die Mutter, so wie der Mann am Brunnen.
Tovin isst, aber er schmeckt nichts.
Am Felsen hat er gedacht: Jemand hat das Zeichen gemacht, mit einer ruhigen Hand, und das war eine Idee.
Jetzt sagt es auch die Tante, und das ist mehr als eine Idee.
Auf dem Weg nach Hause sieht Tovin den Felsen in den Hügeln, und die Stadt, und den Turm.
„Oben“, hat die Tante gesagt. „Sie haben oben auch eins gemacht.“
Oben. Tovin sieht zum Turm, der hoch ist, sehr hoch.
Er sagt das Wort nicht laut, aber er denkt es.
Vielleicht ist auch oben am Turm ein Zeichen.
Tovin bleibt stehen und hört sich selbst denken: vielleicht.
Und diesmal ärgert es ihn nicht.