Mira hat die Karte. Tovin hat den Stein gefunden.
Heute wollen sie beide Zeichen sehen. Zur gleichen Zeit. Am gleichen Ort.
„Bring die Karte“, sagt Tovin. „Ich zeige dir den Felsen.“
„Du weißt noch, wo das Zeichen ist?“
Tovin zeigt in seine Tasche. Darin ist ein kleiner Stein.
„Ich habe einen Stein dorthin gelegt. So finde ich es wieder.“
Mira ist überrascht.
„Du glaubst nicht an das Zeichen. Aber du merkst dir, wo es ist?“
Tovin wird rot.
„Ich merke mir viele Dinge. Das heißt nicht, dass ich daran glaube.“
Mira lächelt. Aber sie sagt nichts.
Sie gehen in die Hügel. Das Gras ist noch nass vom Regen. Der schwarze Vogel ist nicht da.
Am Felsen findet Tovin den kleinen Stein. Daneben ist das Zeichen.
Ein Kreis. In der Mitte ein Punkt.
Mira kniet sich hin. Sie rollt die Karte aus.
Auf der Karte ist die Mitte der Stadt. Dort, wo der Turm steht.
Aber auf der Karte ist kein Turm.
Dort ist nur ein Kreis. Und in der Mitte ist nichts.
Ein Kreis ohne Punkt.
Mira hält die Karte neben den Stein.
Zwei Kreise. Nebeneinander.
Tovin sieht hin. Lange.
„Sie sind gleich groß“, sagt er leise.
„Ja.“
Er hält den Finger über den Kreis im Stein. Dann über den Kreis auf der Karte.
„Der gleiche Kreis. Genau gleich.“
„Aber einer hat einen Punkt“, sagt Mira.
„Und einer hat keinen.“
Sie sehen sich an.
Es ist dasselbe Zeichen. Aber in zwei Formen.
Einer im Stein, am Felsen, weit weg von der Stadt. Mit einem Punkt.
Einer auf der Karte, in der Mitte der Stadt, dort, wo der Turm steht. Ohne Punkt.
„Was bedeutet der Punkt?“, fragt Tovin.
Mira denkt nach.
„Ich weiß es nicht.“
„Du weißt es nicht?“
„Nein.“
Tovin wartet auf ein „vielleicht“.
Aber Mira sagt es nicht. Heute nicht.
Manche Fragen sind zu groß für „vielleicht“.
Sie sehen die zwei Kreise an. Den vollen und den leeren.
Tovin sagt langsam:
„Vielleicht ist es ein Zeichen, das man an- und ausmachen kann. Wie ein Licht.“
Mira sieht ihn an.
Jetzt sagt Tovin „vielleicht“.
Und sie lacht nicht. Denn es ist eine gute Idee.
Ein Zeichen mit Punkt. Ein Zeichen ohne Punkt.
Voll und leer.
„Wir wissen, dass es dasselbe Zeichen ist“, sagt Mira. „Das ist neu.“
„Aber wir wissen nicht, was es bedeutet“, sagt Tovin.
„Nein.“
Sie rollt die Karte wieder zusammen. Vorsichtig.
Auf dem Weg zurück sagt keiner viel.
Vor der Stadt bleibt Mira stehen. Sie sieht den Turm an. Hoch und grau. In der Mitte der Stadt.
Im Stein, weit weg: ein Kreis mit Punkt.
Auf der Karte, in der Mitte: ein Kreis ohne Punkt.
Und in der Mitte der Stadt: der Turm.
Drei Dinge.
Mira weiß noch nicht, wie sie zusammengehören.
Aber heute weiß sie: Sie gehören zusammen.
Und das ist mehr als gestern.