Auf dem Markt ist ein Streit.
Zwei Männer stehen an einem Platz. Der eine verkauft Seile. Der andere verkauft Körbe.
„Das ist mein Platz“, sagt der Mann mit den Seilen. „Ich stehe hier jeden Tag.“
„Nein“, sagt der Mann mit den Körben. „Der Platz ist meiner. Du stehst hier erst seit gestern.“
Beide reden laut. Beide sind sicher.
Die Leute bleiben stehen. Sie warten. Aber der alte Richter ist krank. Und das Kind mit der schweren Stimme ist nicht da.
Da sieht ein Mann zu Aron.
„Aron!“, ruft er. „Du kennst den Markt. Sag du, wer recht hat.“
Aron ist überrascht.
„Warum ich?“
„Du sprichst klar. Du klingst immer so sicher.“
Früher gefällt Aron dieser Satz. Heute nicht.
Aron denkt an das Kind im grünen Mantel. An die Stimme, die klang wie Stein. Die Leute haben dem Kind geglaubt, weil es so klang. Nicht, weil es die Wahrheit kannte.
Aron sieht die zwei Männer an.
„Wo war ich gestern?“, fragt er.
Die Leute lachen. „Du? Du warst nicht hier.“
„Richtig“, sagt Aron. „Ich war nicht hier. Ich habe den Streit nicht gesehen.“
„Aber du kennst den Markt“, sagt der Mann wieder.
„Ja. Ich kenne den Markt. Ich kann laut reden. Ich kann sicher klingen.“ Aron macht eine Pause. „Aber das ist keine Antwort.“
Es wird still.
„Eine Stimme ist nicht die Wahrheit“, sagt Aron leise. „Ich klinge sicher. Aber ich weiß es nicht.“
Ein paar Leute sind zufrieden. Ein paar sind böse. „So hilft uns das nicht“, sagt einer.
Da spricht eine Frau. Sie verkauft Blumen, gleich daneben.
„Ich war gestern hier“, sagt sie. „Der Mann mit den Körben stand zuerst da. Dann kam der Mann mit den Seilen.“
Jetzt sehen alle die Frau an. Nicht mehr Aron.
Der Mann mit den Seilen wird rot. „Na gut“, sagt er. „Dann nehme ich den Platz daneben.“
Der Streit ist vorbei.
Aron geht zurück zu seinem Tisch. Er ist nicht stolz. Aber er ist ruhig.
Die Leute wollten seine Stimme. Sie wollten nicht die Wahrheit.
Die Wahrheit war bei der Frau mit den Blumen. Bei der, die gestern hingesehen hat.
Aron denkt: Wer hingesehen hat, weiß mehr als der, der laut spricht.
Und er nimmt sich vor, öfter leise zu sein.