Mira will eine klare Antwort. Heute fragt sie den Schmied.
Der Schmied ist groß, und er hat Feuer und Eisen. Er macht Nägel, Töpfe und Werkzeug, und seine Hände sind ganz schwarz.
Mira steht vor seinem Feuer.
„Was ist im Turm?“, fragt sie.
Der Schmied schlägt auf das Eisen. Bang. Bang.
„Nichts“, sagt er. „Nur Steine.“
Das sagt er schnell. Sehr schnell.
Mira denkt an ihren Vater. Ihr Vater sagt: „Ich weiß es nicht.“ Das ist ehrlich. Aber der Schmied sagt nicht „ich weiß es nicht“. Er sagt „nichts“.
„Hast du einmal hineingesehen?“, fragt Mira.
„Es gibt keine Tür“, sagt der Schmied.
„Aber wenn es keine Tür gibt“, sagt Mira, „woher weißt du dann, dass nichts darin ist?“
Der Schmied hält das Eisen still, einen Moment lang.
Dann schlägt er wieder. Bang. Bang. Lauter als vorher.
„Ich habe Arbeit“, sagt er. „Geh spielen.“
Er sieht weg, ins Feuer, und nicht mehr zu Mira.
Mira bleibt noch kurz stehen, dann geht sie.
Auf dem Weg denkt sie nach. Sie sammelt die Antworten, wie kleine Steine in der Tasche.
Der Vater sagt: „Ich weiß es nicht.“ Die Mutter wird still und sieht weg. Die Frau am Brunnen gießt das Wasser aus. Der Schmied sagt schnell „nichts“ und arbeitet lauter.
Vier Menschen. Vier Antworten. Aber alle tun das Gleiche.
Sie wollen nicht über den Turm reden.
Mira merkt: Es gibt viele Arten, nicht zu antworten. Manche sehen weg. Manche werden laut. Manche sagen „nichts“, sehr schnell.
Nur einer sagt ehrlich: „Ich weiß es nicht.“
Das ist ihr Vater.
Mira denkt: Vielleicht ist „Ich weiß es nicht“ die beste Antwort von allen. Denn sie ist wenigstens wahr.
Sie sieht zum Turm. Hoch und grau. Ohne Tür.
„Ich weiß es auch nicht“, sagt sie leise zum Turm. „Aber ich frage weiter.“
Der Turm sagt nichts. Wie immer.
Aber Mira fühlt sich nicht dumm, sondern wach.
Wer fragt, ist wach. Wer wegsieht, schläft ein bisschen.
Das will Mira nicht, denn sie will wach bleiben.