Mira sieht den schwarzen Vogel oft, in den Hügeln und über der Stadt.
Aber ist es immer derselbe Vogel?
„Vielleicht gibt es viele schwarze Vögel“, sagt Tovin. „Vögel sehen gleich aus.“
„Vielleicht“, sagt Mira. „Aber vielleicht ist es einer.“
Heute will sie es herausfinden. Sie beobachtet den Vogel.
Am Morgen sitzt er auf dem Felsen in den Hügeln, genau bei dem Zeichen. Er sitzt still, seine Federn sind schwarz und glatt, und ein Flügel hängt ein wenig tiefer als der andere.
Mira merkt sich das. Ein Flügel tiefer.
Dann fliegt der Vogel weg, zur Stadt.
Mira geht zurück in die Stadt und sucht den Himmel ab.
Am Mittag sieht sie ihn wieder, über dem Turm. Er fliegt langsam um die Spitze, einmal, zweimal, dann setzt er sich oben auf den Stein.
Mira sieht genau hin. Ein Flügel hängt tiefer.
„Derselbe“, sagt sie leise.
Aber dann denkt sie nach, denn sie kann nicht zwei Vögel gleichzeitig sehen. Am Morgen war der eine am Felsen, jetzt ist einer am Turm. Vielleicht sind es doch zwei, vielleicht haben beide einen tiefen Flügel.
Sie ist nicht sicher, und sie ist ehrlich: Sie weiß es nicht.
Aber etwas anderes ist klar.
Am Felsen sitzt der Vogel beim Zeichen. Am Turm sitzt er oben.
Immer dort, wo Mira hinsieht. Immer dort, wo das Geheimnis ist.
„Komisch“, sagt sie zu Tovin. „Der Vogel sitzt gern an den seltsamen Orten. Beim Zeichen. Beim Turm.“
Tovin sieht hoch: Der Vogel sitzt auf dem Turm, dunkel gegen den Himmel.
„Vögel sitzen gern hoch“, sagt Tovin. „Das ist alles.“
„Vielleicht“, sagt Mira.
Aber sie sieht noch lange hinauf.
Der Vogel sitzt auf dem Turm. Still. Wie ein Punkt.
Ein schwarzer Punkt, ganz oben.
Mira denkt an das Zeichen. Ein Kreis mit einem Punkt.
Sie sagt nichts, aber sie merkt es sich.
Manche Dinge passen zusammen, lange bevor man weiß, warum.