Der Fischer sitzt am Fluss. Vor ihm liegt sein Netz, und es ist groß und nass.
„Du hast Hände“, sagt er zu Mira. „Hilf mir flicken.“
Mira setzt sich zu ihm. Das Netz hat viele Löcher: Manche sind klein, manche sind zu groß.
„Welche Löcher mache ich zu?“, fragt Mira.
Der Fischer lacht. „Nicht alle! Nur die zu großen.“
„Aber ein Netz soll doch keine Löcher haben“, sagt Mira.
„Doch“, sagt der Fischer. „Ein Netz ist fast nur Loch. Sieh.“ Er hält das Netz hoch. Mira sieht hindurch. Es ist mehr Loch als Faden.
„Wenn ich alle Löcher zumache“, sagt der Fischer, „dann habe ich kein Netz mehr. Dann habe ich ein Tuch. Ein Tuch fängt keinen Fisch. Das Wasser muss durch. Nur der Fisch bleibt.“
Mira sieht das Netz an. Das Leere und der Faden. Loch und Knoten. Loch und Knoten.
„Die Löcher fangen die Fische?“, fragt sie.
„Die Löcher lassen das Wasser durch. Die Knoten halten den Fisch. Beides zusammen fängt. Das Volle und das Leere.“ Der Fischer zieht einen Knoten fest. „Ein gutes Netz weiß, wo es leer sein muss.“
Mira flickt die großen Löcher, die kleinen lässt sie, Knoten für Knoten.
Sie denkt nach.
Ein Netz fängt wegen der Löcher. Das Leere ist nicht ein Fehler, sondern es gehört dazu.
Dann denkt sie an die Karte: in der Mitte ein leerer Kreis, dort, wo der Turm steht.
Alle sagen: Die Karte ist falsch, da fehlt etwas, das Leere ist ein Fehler.
Aber vielleicht nicht. Vielleicht ist der leere Kreis wie ein Loch im Netz. Vielleicht gehört das Leere dazu. Vielleicht bedeutet es etwas.
„Woran denkst du?“, fragt der Fischer.
„An ein leeres Ding, das wichtig ist“, sagt Mira.
„So ist das Netz“, sagt der Fischer. „Und so ist vieles.“
Mira hält das fertige Netz hoch und sieht hindurch. Durch die Löcher sieht sie den Fluss und, weit weg, zwischen den Häusern, den Turm.
Der Turm steht mitten in einem Loch aus Maschen.
Mira sagt nichts, aber sie lächelt.
Manche Antworten kommen vom Wasser, das hat die alte Frau gesagt.
Vielleicht kommen manche auch vom Netz.