Am Morgen sagt Miras Mutter:
„Hol Wasser.“
Mira nimmt den Eimer. Der Eimer ist aus Holz. Er ist leer und leicht.
Sie geht zum Brunnen.
Der Brunnen steht auf dem Platz. Das Wasser ist kühl und dunkel.
Viele Menschen holen Wasser. Eine Frau. Ein Mann. Ein kleines Kind.
Mira füllt den Eimer. Jetzt ist er schwer.
Sie will nach Hause gehen.
Aber dann sieht sie in das Wasser.
Im Wasser ist der Himmel. Im Wasser sind die Häuser. Im Wasser ist auch der Turm.
Der Turm steht in der Mitte der Stadt. Und er steht in der Mitte des Eimers.
Mira hält still.
Sie bewegt den Eimer ein wenig. Der Turm bewegt sich auch.
„Seltsam“, denkt sie. „Im Wasser hat der Turm auch keine Tür.“
Neben ihr steht die Frau. Auch ihr Eimer ist voll.
„Sieh“, sagt Mira. „Der Turm ist im Wasser.“
Die Frau sieht in ihren Eimer.
Für einen Moment hält auch sie still.
Dann gießt sie das Wasser aus.
Das Wasser fällt auf die Steine. Der Turm ist weg.
„Nimm frisches Wasser“, sagt die Frau. „Das ist besser.“
Sie füllt den Eimer neu. Aber sie sieht nicht mehr hinein.
Mira sieht das.
Die Frau will kein Bild vom Turm. Sie will nur Wasser.
Mira trägt ihren Eimer nach Hause. Sie trägt ihn langsam. Sie sieht in das Wasser.
Der Turm bleibt da. Klein und grau. Ganz ruhig.
Zu Hause gießt Mira das Wasser in den Topf.
Der Turm verschwindet im Topf.
„Du bist langsam“, sagt ihre Mutter.
„Ich habe etwas gesehen“, sagt Mira.
„Was?“
Mira denkt nach.
„Den Turm. Im Wasser.“
Ihre Mutter hält einen Moment still. Genau wie die Frau am Brunnen.
Dann sagt sie:
„Im Wasser sieht man viele Dinge. Trink jetzt.“
Mira trinkt.
Das Wasser ist kühl und gut.
Aber sie denkt:
Erwachsene gießen den Turm gern aus.
Und sie fragt sich, warum.